Blutarm
Präludium und Fuge Nr. 8 in es/dis-Moll BWV 853
Es geht in einer Richtung,
mit Sternen in der Nacht.
Manchmal hat man als einzige Freunde
die Füchse aus dem Wald.
Ich will der Wahrheit glauben,
doch die Realität hindert mich daran.
Die Menschheit ist ersunken,
wir harren nur noch aus Gottes Mitleid.
Da war ich jung und dachte,
am Ende siegt Gerechtigkeit.
Jahre später merkte ich –
gut, richtig, Recht und Staat
sind alle nur Vorwand.
Ich schaue zu, nach vorne,
meine Liebe geht nicht verloren.
Neuer Schmerz fühlt sich an wie alter,
meine Vergangenheit fließt durch mein Blut.
So bin ich nicht blutarm,
ich erschaffe mir Mut.
W.A. Mozart – Sonata Nr. 14, c-Moll, KV 457, 1. Satz
Felix Mendelssohn-Bartholdy. Lieder Ohne Worte. Op 67 Nr 2. Allegro Leggiero
Lieber dieses Leben kämpfen,
im Namen der Gerechtigkeit,
das Böse abzuwenden
– wegen der Gefälligkeit –,
als zu denken, es gäbe hier nichts mehr,
und ich kriege mehr,
in allem, was nach diesem Leben
kommen mag.
Oder ich kriege gar nichts anderes,
als das, was ich jetzt schon hab.
Vielleicht morgen habe ich verloren,
gestern gewonnen.
Vielleicht habe ich zu viel gesagt,
an die Menschheit geglaubt.
Ich stehe jedoch immer noch hier,
vielleicht auch aus Zwang.
Vielleicht deswegen eben, weil ich
noch glaube an Gerechtigkeit.
Maurice Ravel – Sonatine
Rameau – Les Tendres Plaintes
Solange ich es kann,
lebe ich nicht aus Gottes Mitleid.
Ich lebe, weil ich nicht weiß,
ob tausend Engel glauben,
dass ich es kann.
Und ich mich gleichzeitig auch nicht darauf verlassen kann,
dass die Menschheit sich jemals
ihres Namens würdig macht.